Wie gefährdet ist Ihr Standort? Prüfen Sie Ihr Elementarrisiko: Zum Elementarrisiko-Rechner.
Die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal 2021 hat vielen Deutschen schmerzhaft vor Augen geführt, wie verheerend Naturereignisse sein können – und wie viele Hausbesitzer völlig ungeschützt waren. Noch immer sind in Deutschland nur rund 54 % aller Wohngebäude gegen Elementarschäden versichert. Dabei kann Starkregen praktisch überall auftreten – nicht nur an Flüssen. In diesem Ratgeber erklären wir, was Elementarschäden sind, warum Ihre normale Gebäudeversicherung nicht ausreicht und was eine Elementarschadenversicherung kostet. (Quelle: GDV)
Was sind Elementarschäden?
Unter Elementarschäden versteht die Versicherungswirtschaft Schäden durch außergewöhnliche Naturereignisse. Dazu gehören:
- Hochwasser und Überschwemmung: Ausuferung von Gewässern, auch durch Schneeschmelze
- Starkregen und Rückstau: Wenn die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr aufnehmen kann und Wasser ins Haus drückt
- Erdbeben: In Deutschland selten, aber in bestimmten Regionen (Rheingraben, Vogtland) durchaus möglich
- Erdrutsch und Erdsenkung: Abgleiten oder Absacken von Erdmassen, etwa nach starkem Regen an Hängen
- Schneedruck und Lawinen: Wenn das Gewicht von Schnee Dächer oder Gebäudeteile beschädigt
- Vulkanausbrüche: In Deutschland de facto nicht relevant, aber in den Bedingungen enthalten
Nicht zu den Elementarschäden zählen: Sturm und Hagel (diese sind bereits in der normalen Wohngebäude- und Hausratversicherung enthalten), Blitzschlag sowie Grundwasseranstieg ohne Oberflächenwasser.
Warum die normale Gebäudeversicherung nicht reicht
Die Wohngebäudeversicherung deckt standardmäßig nur Feuer, Leitungswasser, Sturm (ab Windstärke 8) und Hagel ab. Schäden durch Überschwemmung, Starkregen oder Erdrutsch sind ausdrücklich ausgeschlossen – sie müssen als zusätzlicher Baustein „Elementarschadenversicherung“ (auch: erweiterte Naturgefahren) eingeschlossen werden.
Dasselbe gilt für die Hausratversicherung: Ihr Inventar (Möbel, Elektronik, Kleidung) ist gegen Überschwemmung nur geschützt, wenn der Elementarbaustein enthalten ist.
Informieren Sie sich über den richtigen Versicherungswert Ihres Gebäudes mit unserem Wohngebäude-Wertrechner und den Wert Ihres Hausrats mit dem Hausrat-Wertrechner.
ZÜRS-Zonen: Die Risikoeinstufung Ihres Standorts
Versicherer nutzen das Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen (ZÜRS Geo), um das Hochwasserrisiko jeder Adresse in Deutschland einzustufen. Es gibt vier Gefährdungsklassen:
- ZÜRS 1: Geringes Risiko – statistisch seltener als alle 200 Jahre Hochwasser. Rund 92 % aller Adressen fallen in diese Klasse.
- ZÜRS 2: Mittleres Risiko – Hochwasser statistisch alle 100 bis 200 Jahre.
- ZÜRS 3: Erhöhtes Risiko – Hochwasser alle 10 bis 100 Jahre.
- ZÜRS 4: Hohes Risiko – Hochwasser häufiger als alle 10 Jahre. Hier ist die Versicherbarkeit oft eingeschränkt oder nur mit Selbstbeteiligung möglich.
Wichtig: Starkregen wird durch ZÜRS nicht vollständig abgebildet. Starkregen kann überall auftreten – auch in ZÜRS-Zone 1. Das Ahrtal-Hochwasser 2021 hat gezeigt, dass selbst Gebiete, die nie als hochwassergefährdet galten, innerhalb von Stunden metertief unter Wasser stehen können.
Praxisbeispiel: Starkregenschaden ohne Elementarschutz
Familie Müller besitzt ein Einfamilienhaus in einer mittelfränkischen Kleinstadt (ZÜRS 1). Nach einem heftigen Gewitterregen im Sommer läuft Wasser über die Straße in den Keller und das Erdgeschoss. Die Bilanz:
- Trockenlegung und Entfeuchtung: 8.000 EUR
- Estrich, Bodenbelag und Wandsanierung: 22.000 EUR
- Heizungsanlage im Keller defekt: 12.000 EUR
- Elektroinstallation erneuern: 6.000 EUR
- Beschädigter Hausrat (Möbel, Geräte): 15.000 EUR
- Mietausfall/Unterbringung: 5.000 EUR
- Gesamtschaden: ca. 68.000 EUR
Weil Familie Müller keinen Elementarschutz hatte, muss sie den kompletten Betrag selbst tragen. Die Wohngebäudeversicherung lehnt ab – Überschwemmung durch Oberflächenwasser ist nicht gedeckt. Auch die Hausratversicherung zahlt nicht. Ein Elementarbaustein hätte die Familie weniger als 300 EUR pro Jahr gekostet.
Was kostet die Elementarschadenversicherung?
Die Kosten für den Elementarzusatz hängen von der ZÜRS-Zone, dem Gebäudewert und der Bauart ab. Orientierungswerte für ein Einfamilienhaus (Wert ca. 300.000 EUR):
- ZÜRS 1: 100 bis 250 EUR/Jahr Aufpreis
- ZÜRS 2: 200 bis 500 EUR/Jahr
- ZÜRS 3: 400 bis 1.200 EUR/Jahr, oft mit Selbstbeteiligung
- ZÜRS 4: Versicherung schwierig – hohe Prämien und hohe Selbstbeteiligung, teilweise Ablehnung
Für die große Mehrheit der Gebäude (Zone 1 und 2) ist der Elementarschutz also erschwinglich – gemessen am potenziellen Schaden sogar ausgesprochen günstig.
Lesen Sie auch unseren Ratgeber Immobilie richtig absichern für einen umfassenden Überblick über alle relevanten Versicherungen rund um Ihr Eigenheim.
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