Der Bausparvertrag ist ein Klassiker der deutschen Finanzplanung – doch im aktuellen Zinsumfeld fragen sich viele: Lohnt sich Bausparen überhaupt noch? In diesem Leitfaden erklären wir die Funktionsweise, die staatliche Förderung und für wen ein Bausparvertrag 2026 sinnvoll ist. Berechnen Sie Ihre Bausparsumme und monatliche Sparrate mit unserem Bausparrechner. (Quelle: Statistisches Bundesamt)
Wie funktioniert ein Bausparvertrag?
Ein Bausparvertrag ist ein Spar- und Darlehensvertrag in einem. Er durchläuft drei Phasen:
Phase 1 – Ansparphase: Sie zahlen regelmäßig in den Bausparvertrag ein, typischerweise über 7 bis 10 Jahre. Ziel ist es, ein bestimmtes Mindestguthaben zu erreichen – in der Regel 30 – 50 % der Bausparsumme (den sogenannten Mindestanspargrad). Das Guthaben wird mit einem festen, aber meist niedrigen Guthabenzins verzinst (aktuell 0,01 – 0,25 %).
Phase 2 – Zuteilung: Sobald der Mindestanspargrad erreicht ist und die Bewertungszahl stimmt, wird der Vertrag zuteilungsreif. Sie erhalten dann Ihr angespartes Guthaben plus das Bauspardarlehen in Höhe der Differenz zur Bausparsumme.
Phase 3 – Darlehensphase: Das Bauspardarlehen wird zu dem bei Vertragsabschluss festgelegten Darlehenszins zurückgezahlt. Dieser Zins steht von Anfang an fest – unabhängig von der Zinsentwicklung am Markt. Die Rückzahlung dauert meist 7 bis 15 Jahre.
Rechenbeispiel: 50.000 EUR Bausparsumme
Annahmen: Bausparsumme 50.000 EUR, Mindestanspargrad 40 %, Guthabenzins 0,1 %, Darlehenszins 1,5 %:
- Sparziel: 50.000 × 40 % = 20.000 EUR
- Monatliche Sparrate: ca. 250 EUR (bei 7 Jahren Ansparphase)
- Guthabenzinsen über 7 Jahre: ca. 70 EUR (marginal bei 0,1 %)
- Bauspardarlehen: 50.000 − 20.000 = 30.000 EUR zu 1,5 % Festzins
- Monatliche Darlehensrate: ca. 310 EUR (bei 9 Jahren Laufzeit)
- Gezahlte Zinsen für das Darlehen: ca. 2.100 EUR
Zum Vergleich: Ein freies Bankdarlehen über 30.000 EUR zu aktuell 3,5 % Zins würde bei gleicher Laufzeit ca. 5.000 EUR Zinsen kosten. Der Bausparvertrag spart in diesem Beispiel also rund 2.900 EUR an Zinsen – allerdings erst in der Zukunft und mit der Einschränkung, dass die Ansparphase mit sehr niedrigen Zinsen belastet ist.
Staatliche Förderung: Wohnungsbaupämie und VL-Zulage
Der Bausparvertrag profitiert von gleich zwei staatlichen Förderungen:
Wohnungsbaupämie (WoP):
- Förderung: 10 % auf jährliche Einzahlungen bis 700 EUR (Singles) bzw. 1.400 EUR (Ehepaare)
- Maximale Prämie: 70 EUR (Singles) bzw. 140 EUR (Ehepaare) pro Jahr
- Einkommensgrenze: 35.000 EUR (Singles) bzw. 70.000 EUR (Ehepaare) zu versteuerndes Einkommen
- Voraussetzung: Das Geld muss wohnwirtschaftlich verwendet werden (Kauf, Bau, Renovierung)
Arbeitnehmer-Sparzulage auf vermögenswirksame Leistungen (VL):
- Förderung: 9 % auf VL-Einzahlungen bis 470 EUR pro Jahr
- Maximale Zulage: 43 EUR (Singles) bzw. 86 EUR (Ehepaare) pro Jahr
- Einkommensgrenze: 17.900 EUR (Singles) bzw. 35.800 EUR (Ehepaare) zu versteuerndes Einkommen
In Kombination erhalten Sie als Ehepaar bis zu 226 EUR staatliche Förderung pro Jahr. Mehr zur VL-Förderung erfahren Sie in unserem VL-Sparen-Guide und im VL-Rechner.
Vorteile des Bausparvertrags
- Zinssicherheit: Der größte Vorteil – der Darlehenszins steht bei Vertragsabschluss fest, egal wie sich die Marktzinsen entwickeln. In Zeiten steigender Zinsen ist das ein enormer Vorteil.
- Staatliche Förderung: Wohnungsbaupämie und Arbeitnehmer-Sparzulage machen den Vertrag für Geringverdiener besonders attraktiv.
- Disziplin: Die regelmäßige Sparrate erzwingt einen Vermögensaufbau – ideal für Menschen, die sonst wenig sparen würden.
- Sondertilgung jederzeit: Das Bauspardarlehen kann jederzeit und in beliebiger Höhe sondergetilgt werden – ohne Vorfälligkeitsentschädigung.
- Kein Grundbucheintrag nötig: Bei kleineren Darlehenssummen (bis ca. 30.000 EUR) verzichten Bausparkassen oft auf einen Grundbucheintrag.
Nachteile und Einschränkungen
- Niedriger Guthabenzins: Während der Ansparphase erhalten Sie auf Ihr Guthaben nur minimale Zinsen (0,01 – 0,25 %). Auf Tagesgeld oder Festgeld bekommen Sie aktuell deutlich mehr.
- Abschlusskosten: Die Abschlussgebühr beträgt typischerweise 1,0 – 1,6 % der Bausparsumme. Bei 50.000 EUR sind das 500 – 800 EUR, die sofort anfallen.
- Kontoführungsgebühren: Viele Bausparkassen berechnen jährliche Kontoführungsgebühren von 10 – 25 EUR.
- Lange Bindung: Bis zur Zuteilung vergehen 7 – 10 Jahre. In dieser Zeit ist das Kapital gebunden und wenig flexibel.
- Zuteilung nicht garantiert: Der genaue Zuteilungszeitpunkt hängt von der Bewertungszahl ab und ist nicht sicher planbar.
- Darlehenszins nicht immer günstig: In Niedrigzinsphasen kann ein freies Bankdarlehen günstiger sein als das Bauspardarlehen. Der Vorteil des Bausparvertrags zeigt sich erst bei steigenden Zinsen.
Für wen lohnt sich ein Bausparvertrag 2026?
Ein Bausparvertrag ist besonders sinnvoll für:
- Junge Berufstätige unter der Einkommensgrenze: Sie profitieren maximal von Wohnungsbaupämie und VL-Zulage und können frühzeitig Eigenkapital für den späteren Immobilienkauf aufbauen.
- Immobilienbesitzer mit Modernisierungsbedarf: Für energetische Sanierung, Heizungstausch oder barrierefreien Umbau ist ein kleines Bauspardarlehen ohne Grundbucheintrag ideal.
- Anschlussfinanzierung absichern: Wer in 5 – 10 Jahren eine Anschlussfinanzierung benötigt, kann sich heute einen günstigen Darlehenszins sichern (Forward-Bausparen).
- Riester-Bausparen: In Kombination mit der Riester-Förderung kann Bausparen zusätzlich attraktiv sein – insbesondere für Familien mit Kindern (Kinderzulagen).
Weniger sinnvoll ist ein Bausparvertrag für Gutverdiener über der Einkommensgrenze, die keine wohnwirtschaftliche Verwendung planen – hier gibt es renditestarkere Alternativen. Vergleichen Sie die Finanzierungsoptionen im Hypothekenrechner.
Der Bausparvertrag ist kein Auslaufmodell – aber er passt nicht für jeden. Berechnen Sie jetzt, ob und wie ein Bausparvertrag in Ihre Planung passt: